Stahlwerk

stahlwerl_abendlicht-1Bei Nightshots und Aufnahmen in der blauen Stunde, ist auch das Wetter ein primärer Faktor für ein gelungenes Foto. Klare Luft und ein Sonnenuntergang, der karibisches  Format besitzt, sind die besten Bedingungen für ein Fotoshooting. Wenn sich dann Naturlicht und Kunstlicht auf einer Ebene treffen, wird das Ergebnis sehenswert. Im Winter ist der Zeitraum für die blaue Stunde extrem eingeschränkt. Gerade einmal 10-15 Minuten bleiben dem Fotografen, um den richtigen Moment auf die Speicherkarte zu bekommen. Danach wird es auch mit RAW-Aufnahmen schwierig, eine natürliche Balance der Lichtquellen zu erreichen.

Beim ersten Foto, dass die angeleuchtete „Skyline“ des alten Stahlwerks Duisburg-Meidrich zeigt, war es schon verdammt knapp mit dem Umgebungslicht und keine Zeit für übliche Kontrollschüsse. Hier musste die eingesetzten Technik stimmen und das Setup aus Erfahrungswerten gewählt werden. Zwar ist das Ergebnis äusserst befriedigend, aber auch nicht der echte Hingucker, denn das noch vorhandene Tageslicht verdirbt ein wenig die spannende Dynamik der installierten Beleuchtung. Stahlwerk Landschaftspark Nord DuisburgGanz anders verhält es sich ca. 15 Minuten später, als sich die blaue Stunde verabschiedet hat und lediglich das natürliche Restlicht einen angemessenen Hintergrund für die Lichtinstallation erzeugt. Erst jetzt wird das Wechselspiel der Farben deutlich, Konturen kontrastreich abgebildet. Zwar wirken im Ergebnis  einige Lichtbereiche übersteuert, erkennbar an den daraus resultierenden Farbsäumen, aber diese Mängel muß man in Kauf nehmen, damit die punktförmigen Kunstlichtquellen eine schöne Aura (Strahlen) bekommen.

Highlight des Panoramas ist der grün beleuchtete Brückenkran vor dem Hochofen. Das beeindruckende Transportmittel ist auf jeden Fall einen „Extraschuss“ wert und deshalb musste innerhalb von einer Minute mal eben die Aufnahmeposition geändert werden. Jeder Amateurfotograf kennt die Probleme, die bei einer Standortveränderung, und mag sie nur wenige Meter entfernt sein, hinzukommen. Deshalb ist das hier erreichte Ergebnis mehr als zufriedenstellend. Durch die sehr harte Beleuchtung war  der hellere Hintergrund der blauen Stunde die bessere Wahl. Das dunklere Nightshot des gleichen Motivs wirkt einfach zu kontrastreich und ähnelt eher einer HDR-Aufnahme, was diesmal aber nicht gewollt war.

stahlwerkKnackig scharf und mit wenigen Überlichtungen verseucht (man darf es auch als künstlerischen Ausdruck verstehen), sind so in wenigen Minuten Fotos entstanden, die man durchaus in einer Ausstellung zum Thema Kunstlichter präsentieren könnte. Der Lerneffekt des ganzen Fotoshootings war – nicht immer „passt“ ein Motiv zu den magischen Lichtverhältnissen der blauen Stunde. Gerade die Art der Fremdbeleuchtung kann der Grund dafür sein, doch noch etwas länger mit einer Aufnahme zu warten und später die Balance zwischen Natur- und Kunstlicht über den RAW-Konverter neu zu bestimmen. Solange der Himmel noch nicht völlige Nachtschwärze erreicht hat, ist ein Abendhimmel als Hintergrund möglich. Nicht immer auf dem kleinen Kameramonitor erkennbar, aber bei der RAW-Entwicklung wird er wieder sichtbar. Wobei wir damit beim vorherigen Thema landen, denn bei diesen Lichtverhältnissen holt das RAW-Format doch ein wenig mehr aus einer Aufnahme heraus und ist dem JPG in allen Belangen überlegen.

In einigen Mails zu dieser webseite wurde bemängelt, dass ich zu meinen Fotos nie Angaben zur benutzten Technik mache. Nun, das geschah und geschieht mit voller Absicht, weil ich weiterhin der Meinung bin, dass die Technik nur ein Werkzeug ist und auch die beste, neueste oder professionellste Ausrüstung weder die glückliche Auswahl eines Motivs, noch das Auge für das Bild ersetzen kann. Mir persönlich ist es egal, welche „Knipse“ ein wirklich betrachtenswertes Bild geschossen hat. Solange es scharf ist und das Motiv den Betrachter fesselt, war das Werkzeug gut genug.

Fotos: Jürgen Olejok /© 2016

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