Back to the roots

Es ist schon einige Zeit her, dass ich hier einen Beitrag geschrieben und veröffentlicht habe. Das lag weder an der derzeitigen Pandemie, noch an irgendwelchen anderen Einschränkungen, die das Alter so mitbringt. Nunja, nicht ganz, denn das Herumschleppen von mehr als 5 Kg Fotoausrüstung ist mit über 60 Lenzen ein Thema, über das man früher oder später nachdenkt. Und zu wirklich dämlichen Entscheidungen verleitet, die in meinem Fall glücklicherweise wieder revediert werden konnten. Aber der Reihe nach…

Auslöser für meine Abwesenheit von Foto-Foren und meiner eigenen Webseite waren die Erkenntnisse, die ich im letzten Beitrag zum Thema Smartphone-Fotografie gepostet hatte. Ich bleibe dabei, dass in mehr als 75 Prozent der Fälle für eine gute Aufnahme heutige Smartphones ab der gehobenen Mittelklasse vollkommen ausreichen. Wenn man sich dieser Tatsache bewusst wird, fragt man sich, warum man überhaupt noch eine Webseite für Fotografie betreiben soll und gleichzeitig sinkt die Motivation für das Thema Foto an sich so schnell wie die Titanic.

Bild linkks: Wasserturm – aufgenommen mit dem Minolta AF 35-105 / Serie I bei 75mm. Für ein Zoom-Objektiv aus den 80er Jahren eine beindruckende Leistung und ein 90*120 Print (unskaliert mit vollen 24MP) wäre wirklich kein Problem. Keine chromatischen Aberationen oder Schärfeprobleme bei Blende 5,6. Das Foto spricht für sich selbst. Fotografiert mit dem LA-EA4 Adapter und Autofokus.

Lediglich für die restlichen 25 Prozent, speziell wenn es um außergewöhnliche Locations, extreme Lichtverhältnisse oder Großdrucke geht, wird das Sammelsurium von DSLM´s und Objektiven benötigt. So weit, so gut, aber immer diese Schlepperei. Mit fast 8 Kilo Fotogepäck (inkl. Stativ, Taschenlampen, Filter und anderem Kram) macht selbst ein kurzer Fussmarsch zum Objekt der Begierde (Motiv) keinen Spaß. Also sollte eine Lösung her, die mindestens die Hälfte des Gewichts einspart und trotzdem den Sinn einer Fotoausrüstung, in Sachen Qualität der Aufnahme, bestätigt. Das Sony G-master 24-105 wäre dafür prädestiniert. Dachte ich zumindest. Um dieses Objektiv teilweise zu finanzieren, hatte ich im größten Forum für Fotografie mein komplettes Line-up an Minolta-AF-Objektive zum Verkauf angeboten. (siehe Bild oben)

Wenn der geneigte Leser ab dem letzten Satz mit Schnappatmung zu kämpfen hatte, dann kann er ab hier wieder durchatmen, denn das Angebot wurde in dem Augenblick beendet, als ich einen 1:1 Vergleich zwischen einem geliehenen G-Master und den vier Minolta-AF-Prime Linsen (24,35,50,100mm) bei Blende 5,6 und zweitägigen Testmarathon machen konnte. Ergebnis 4:0 für Minolta. Okay, es sind Prime-Linsen und man konnnte das Ergebnis zumindest erahnen.

Bild rechts: Ergänzend zu den bereits veröffentlichten Fotos im Spezialbereich der Minoltas – das Beercan 70-210 / f4. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher abartigen Schärfe dieses Objektiv abbildet. Es ist nicht so „schnell“ wie das Sony-Pedant mit 2.8er Lichtstärke, aber wenn man bei wildlife die richtige Tierart findet, dann klappt es auch mit F4 😀 . Aufgenommen bei 150mm mit Adapter und Autofokus.

 

Das 35-105 und das 28-135 Zoom mussten sich aber auch am G-Master messen. Und DIESER Vergleich überraschte dann richtig. Bis auf die Anfangsbrennweite lagen im Bereich Schärfe beide Zooms ab 40mm und Blende 5.6 fast gleichauf mit dem Sony. Erst bei 200 Prozent Vergrösserung waren Unterschiede erkennbar; leider nicht immer zum Vorteil des 24-105. Klar, das G-Master hat mehr Kontrast, ist unanfälliger gegen chromatische Aberationen und Flares, aber das sind alles Eigenschaften, die ich mit Lightroom schnell korrigiert bekomme.

Aber da war doch noch etwas: das Gewicht. Eigentlich der Auslöser für die ganze Aktion. Dumm nur, dass das 24-105 G-Master nicht gerade leicht ist und mit fast 700 Gramm nur unwesentlich weniger wiegt wie z. B. das 28-135 Minolta inklusive Adapter. Packt man noch die beiden 24er und 35er Minolta-Primes dazu, ergibt sich ein Mehrgewicht von ca. 500 Gramm. Nüchtern betrachtet, hat man wesentlich mehr Schärfe für gerade mal ein halbes Kilo mehr auf dem Rücken, wenn man sich endlich mal dazu aufrafft, den Fotorucksack mit dem zu füllen, was man tatsächlich braucht.

Bild oben: Abendstimmung am Wattenmeer, fotografiert mit dem Minolta 28-135 bei 70mm und Blende 6.3. Überraschend ist bei diesem Objektiv die durchgängige Schärfe, die tatsächlich an ein prime-Objektiv heranreicht. Zwischen 40 und 120mm bei Blende 5,6 ist das Glas ein echter Allrounder und, man mag es kaum glauben, schlägt dieses „Altglas“ tatsächlich das 24-105 G-Master bei Blende 5,6. Ebenfalls mit LA-EA4 und aktiviertem Autofokus aufgenommen.

Aus der ganzen Sache ergaben sich letztendlich folgende Erkenntnisse: Erstens war es vielleicht doch eher ein kurzer Anfall von GAS, der mich zu der Überlegung hinreißen ließ, die Minoltas zu verkaufen um etwas NEUES in den Händen zu halten. Zweitens hat mich die Testerei daran erinnert, warum ich überhaupt dem Hobby Fotografie fröhne, und drittens soll man nicht immer alles glauben, was die (Un)Sozial-Community der Youtuber und Influenzer so zum Besten geben, denn das Sony 24-105 ist sicher kein schlechtes Objektiv, aber es ist immer noch ein Kompromiss in Punkto Abbildungsschärfe gegenüber Festbrennweiten. Daran können auch modernste Beschichtungen und aktuelle Berechnungen nichts ändern. Für einen Preis von 1000 Euro erwartet man als Foto-Amateur doch noch mehr Verbesserungen gegenüber 35 Jahre alten Objektiven, die zusammen gerechnet (alle 7 Stück) in 2019 als Gebrauchtware weniger gekostet haben.

Bilder unten: Das 35-105mm und das 28-135mm bieten die Möglichkeit, Makro bis zu 1:1,4 aufzunehmen. Es ist eher ein „Pseudo-Makro“, aber besser als nichts und manchmal genau das kleine Extra, welches ein gutes Foto möglich macht. Sorry, dass ich hierbei nicht mehr sagen kann, welches Objektiv welche Aufnahme gemacht hat, weil ja keine Daten übertragen wurden, aber eines ist vom 35-105 und das andere vom 28-135mm. Fotografiert mit manuellem Fokus bei Blende 8.

 

 

 

 

 

 

Fazit: Es bleibt bei Minolta AF, meinen speziellen Magic-Seven, die in dieser Zusammenstellung im Jahre 1987 laut damaliger Preisliste immerhin mit einem Gesamtbetrag von ca. 6500 DM bezahlt werden mussten. Ja, sie sind alt und ja, so ein LA-EA4 Adapter ist nicht gerade ein Stück aus der kunstvollen Designerwelt, aber zusammen machen sie auch 35 Jahre später noch einen ausgezeichneten Job.

Nachtrag

Ich möchte mich an dieser Stelle bei meinem Foto-Kollegen Klaus aus Hannover bedanken, der zum richtigen Zeitpunkt, wahrscheinlich ohne Hintergedanken, die richtige Frage gestellt hat und mich damit nicht nur vor einem “Schärfe-Verlust” bewahrt, sondern mich auch daran erinnert hat, warum ich die Minolta-AF-Objektive so liebe. Manchmal ist man geneigt, sein selbst erworbenes Wissen in Frage zu stellen und einen falschen Weg zu beschreiten. Schön, wenn es dann Menschen gibt, die vollkommen unnaufdringlich und indirekt darauf hinweisen, dass man gerade einen ziemlich blöden Fehler begeht.