Sony A7 on Budget – Teil2 / Altglass

Was waren das für schöne Zeiten, BEVOR Sony mit dem e-mount die Fotowelt beglückte. Auf den Flohmärkten dieses Landes waren Prime-Objektive von bester Qualität für 10 oder 15 Euro zu ergattern und der ambitionierte Fotoamateur, mit dem Wissen von 20 Jahren Analogfotografie im Gepäck, frohlockte über diese Menge an Equipment für kleines Geld. Okay, die Nikon-User waren da wegen ihres hohen Auflagemaß etwas außen vor, aber alle anderen DSLR-Besitzer konnten das Altglas per Adapter nutzen. Nicht immer unkompliziert, aber durchaus mit brauchbaren Ergebnissen. Und dann kam Sony!

Mit der kurzen Auflage und den kamerainternen Werkzeugen wurde das manuelle Fokussieren zum Kinderspiel. Plötzlich war, dank zahlreicher chinesischer Hersteller von Adaptern, alles, was irgendwie nach Objektiv aussah, nutzbar. Selbst olle Spiegelteleskope, die einen  m2-Anschluss besitzen, waren für einen Sony-Body der 5000, 6000 oder A7-Serie plötzlich zu gebrauchen. Das sprach sich rum und ab einem bestimmten Zeitpunkt war es zu Ende mit preiswert. Die Flohmarkt-Händler, zumindest die auf Fotoequipment spezialisierten, boten ihre Linsen gleich mit passendem Adapter an – natürlich zu einem Vielfachen des früheren Preises. Und daran hat sich auch nichts mehr geändert. Macht es also noch Sinn, auf Flohmärkten müffelnde Fototaschen nach alten Schätzen zu durchwühlen? Macht es! Gerade für die Alpha-Kameras von Sony. Aber mit Einschränkungen!

Bild rechts: Das Rikenon 50mm / 1.7 (hier mit   Adapter) gilt unter Alt-Fotografen als Beispiel dafür, wie gut eine alte Linse noch abbilden kann. Zwar ein wenig Flair-anfällig, aber bei Offenblende selbst an den äussersten Kanten noch scharf.

Die Menge an alten analogen Fotoequipment von privaten  Verkäufern nimmt derzeit wieder zu, weil entweder der Fotofreund aus Altersgründen nichts mehr mit seiner Ausrüstung macht oder das Equipment aus einer Erbmasse auf dem Flohmarkt landet. Selten sind Objektive von Premium-Herstellern wie Leica oder Zeiss zu finden. Dafür aber Mengen an Gläsern von Porst, Soligor, Revue oder Pentacon. Das waren in den Siebzigern nunmal die Marken, die erschwinglich waren und deshalb eine weite Verbreitung besaßen. Viele von diesen Firmen vertriebene Objektive waren schon damals schlecht und sind mit der Zeit nicht besser geworden. Darunter, mit hohem Marktanteil, Zoom-Objektive, deren Qualität nicht einmal mehr für 10 MP-Kameras ausreicht. Unscharf bis in die Ecken war kein selten benutztes Statement, wenn man abschätzig über die damals recht neuartigen Vario-Objektive lästerte.

Anders sieht es bei Festbrennweiten, oder neudeutsch, den Prime-Objektiven aus. Hier gab es damals sogar eine wesentlich bessere Qualitätskontrolle bei den einzelnen Objektive und eklatante Ausreißer, wie man sie in letzter Zeit häufig bei sauteuren Zeiss-Gläsern findet, waren die Ausnahme. Kein Wunder, denn die Berechnungen der Objektive und auch der Linsenschliff hatten zu dieser Zeit schon ein Niveau erreicht, dass auch in den letzten 30 Jahren kaum verbessert wurde. Lediglich die Beschichtungen der Linsen sind moderner und besser geworden, was meist in einem guten Bild-Kontrast zu erkennen ist und für eine geringere Flair-Anfälligkeit sorgt. Von der Schärfe und Abbildungsleistung her, können aber alte Festbrennweiten gut mithalten.

Hat man eine APSC-Kamera, ist die Auswahl an Alt-Glas sogar höher, denn hier kann auch das eine oder andere Weitwinkel unterhalb von 35mm Brennweite noch nutzen. Bei KB-Format sollte man dagegen sehr sorgfältig prüfen, ob die alte 28mm Linse trotz Wegwerfpreis eine sinnvolle Investition ist. Grundsätzlich sind aber bei KB-Format die Brennweiten 50mm, 85mm 100mm und 135mm wesentlich interessanter. Das liegt zum Einen an der einfacheren Konstruktion dieser Brennweiten und zum Anderen an der relativ kleinen Bauform. Die meist niedrigere Lichtstärke von 2.8  gegenüber aktuellen und wesentlich teureren Objektiven , stellt die  Alpha-Kameras mit ihren hohen Iso-Bereichen vor keine großen Probleme.

Wenn der Autofokus eine große Rolle beim Fotografieren einnimmt, ist mechanisches Altglas  keine Option. Hier sollte, wenn das Budget für gute Objektive eingeschränkt ist, nach Minolta AF Glas gesucht werden. Zwar ist der AF mit LA-EA4 Adapter nicht so fix, wie bei einem nativen Objektiv, aber treffsicher und ausreichend flott.

50mm/135mm

Bild links: Das 135er /2.8 von Porst, das es als M42 und auch als PK-Ausführung gibt, ist auf KB-Format ein absolut verlässlicher Partner für Potraitaufnahmen. Das Bokeh ist gut und die Abbildungsleistung von Ecke zu Ecke schon bei Offenblende beindruckend. Die Sonnenblende ist eingebaut und die 270 Grad für das fokussieren sehr angenehm. Für ganze 15 € ein echter Schnapper. Mein Exemplar war sogar „neuwertig“, da kaum gebraucht, und mit Köcher.

Für alle manuellen Fokussierer lohnt sich der Blick auf m42 und PK-Anschluss. Ein 135mm Porst mit 2.8er OB ist für 15-25 € zu bekommen, eine 50er Brennweite mit 1.8 liegt im selben Preisbereich. Ähnlich sieht es bei Pentacon aus. Die 50er und 135er liegen zwar preislich ein wenig höher, aber der Unterschied ist eher marginal. Ironischerweise sind die Porst-Objektive, die baugleich mit Pentacon sind, tatsächlich etwas besser, als das „Original“. Das liegt daran, dass die Qualitätsanforderungen von Porst an die Hersteller (darunter auch Soligor, Takumar, Rikoh uva.) höher war. Der niedrige Porst-Preis in Deutschland resultierte aus der hohen Stückzahl, die Porst bei den Herstellern orderte. Schon damals bestimmte die Stückzahl den Preis. Auch Neckermann, mit der Marke Revue gut am deutschen Fotomarkt der siebziger Jahre vertreten, kaufte unter anderem bei Pentacon ein. Glaubt man den Gerüchten und Aussagen von ehemaligen Pentacon-Mitarbeitern, galt auch hier ein höherer Qualitätsstandart für den Import ins westliche Ausland. Für weitergehende Information zum Thema Pentacon und die verschiedenen Vertriebsnamen gibt es im Internet zahlreiche Informationen.

28mm/35mm

Bild rechts: Das 28mm / 2.8 Porst Weitwinkel mit M42 Anschluss zeigt auf einer KB-Format-Kamera Schwächen in den Randbereichen, kann aber auf der A6300 durchaus überzeugen. Ab Blende 4 sind die Aufnahmen scharf und überraschenderweise sogar sehr kontraststark. Für 10 € auf dem Flohmarkt eine lohnenswerte Investition.

Im Bereich 28-35mm ist die Auswahl an lichtstarken (1.8) Objektiven etwas dünner. Hier empfiehlt es sich, die Rückseite der Objektive genauer zu betrachten. Ein kleine Linse am Objektivausgang, die für den chemischen Film ausreichte, ist für KB-Sensoren nicht, aber für APSC eventuell noch nutzbar. Die Unschärfe an den Bildrändern ist bei diesen Objektiven aber ausgeprägt und erst ab Blende 8-11 akzeptabel. Bei größeren Linsen, die teurer herzustellen waren und seltener in den damaligen WW-Objektiven verbaut wurden, kann es auch noch mit 28mm auf KB-Format zu einem befriedigenden Ergebnis reichen.

85mm/100mm

In diesem Bereich ist die Auswahl an gut erhaltenen Objektiven sehr eingeschränkt. Die „klassische“ Potrait-Brennweite war damals das 135mm. Als Studio-Objektiv mit recht hohem Anschaffungspreis fanden diese Brennweiten kaum den Weg in die Amateurausrüstung. Profis waren die primäre Zielgruppe und deswegen sind die Preise für diese Brennweiten gegenüber den „Standarts“ wesentlich höher. Ein gut erhaltenes 85er/1.8  von z. B. Takumar/Pentax kann selbst auf dem Flohmarkt schon mal bei 200 € (runtergehandelt) landen. Ob eine Offenblende von 1.8 diesen Preis rechtfertigt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Gut ist es aber immer noch und kann gegen die modernen 1000 € Gläsern locker bestehen.

Bild links: Auch ein Negativ-Beispiel darf nicht fehlen. Dieses 35mm Beroflex, ebenfalls ein 2.8er mit M42, taugt wirklich nur als Briefbeschwerer. Die Abbildungsleistung ist für ein Prime unterirdisch, selbst bei Blende 8 und mit APSC-Sensor. Ob es ein Ausreisser aus der Serienproduktion ist, kann mangels Zweitexemplar nicht festgestellt werden, aber es hat keinerlei Beschädigungen und der Kauf war wohl der berühmte Griff ins Klo. 15 € belasten das Fotobudget aber nur marginal.

Zoom-Objektive

In den letzten Jahren hat die Objektiventwicklung lediglich in einem Bereich sichtbare Fortschritte gemacht – bei den Zoom-Objektiven. In dieser Objektivklasse nach Altglas Ausschau zu halten, ist meist sinnlos. Selbst preiswerte Plastik-Objektive von Dritt-Herstellern bringen durchgehend eine bessere Abbildungsleistung als die alten Schätze. Und das auch noch bei einem variabeleren Zoom-Bereich. Ausnahmen sind hier lediglich die 80-200mm Teleobjektive und die 35-70mm Mid-Range Brennweiten mit maximal 2.2 fachem Zoom-Bereich. Hier kann man durchaus ein Schnäppchen machen, aber das Glück sollte einem dabei schon zur Seite stehen.

Bild rechts: Ein echter Glücksfall ist dieses Rikenon 35-70/3.5-4,5. Das Objektiv sah fürchterlich aus, die Gläser von innen beschlagen und die Beschichtung ein Sammelsurium von Flecken. Das alles für 2 €. Nach Zerlegung und gründlicher Reinigung zeigte aber das alte Stück, was es in Sachen Abbildung schon damals drauf hatte und auch heute noch an einer modernen DSLM leistet. Die 24MP der A7 werden sauber bedient und ab Blende 5.6 ist kein Unterschied zu einem 24-70 Zeiss im Brennweitenbereich zwischen 35 und 70mm zu erkennen. Manchmal gehört etwas Glück beim Kauf dazu, denn diese Brennweite als manuelles Objektiv hatte ich definitiv nicht auf meiner to buy-Liste.

Macro

Auch wenn die meisten Zoom-Objektive aus der Prä-Digital-Ära (meist) einen Macro-Modus besitzen, sollte man folgendes wissen: Die Naheinstellgrenze älterer Objektive ist teilweise sehr hoch und der „Macro-Modus“ dient allenfalls dazu, etwas näher an das Motiv heranzukommen. Abbildungsleistungen von 1:1 sind damit nicht einmal annähernd möglich, weshalb der Aufdruck „Macro“ etwas übertrieben ist. Möchte man sich ein preiswertes Macro aus Altglasbeständen zulegen, ist die Festbrennweite mit Macro erste Wahl. Beim testen erkennt man meist auch, wie weit der Tubus im Macro-Bereich ausfährt und ob eine ausreichende Abbildung von 1:1 möglich ist.

Beim Kauf auf dem Flohmarkt bitte beachten

Wenn man sich durch alte Fototaschen, Köcher und lieblos in Kisten geworfene Objektive wühlt, sollte man einige Regeln im Kopf behalten. Da das Glas das Bild macht, sollte man es in Ruhe und sorgfältig auf Fehler überprüfen. Oberflächliche Kratzer oder kleine Beschädigungen  auf der Vergütung des Frontglases sind zwar ärgerlich, aber meist ohne Auswirkungen auf das Foto. Glaspilz ist eine andere Liga und sollte wirklich nur dann noch in die engere Wahl kommen, wenn es sich um ein ehemaliges Hochpreisobjektiv von Leica oder Zeiss handelt.  Glaspilz ist, wenn er sich nur am äussersten Rand befindet, wegen der einfachen Demontage von alten Festbrennweiten tatsächlich gut entfernbar und kommt bei sorgfältiger Säuberung auch nicht wieder. Trotzdem der Rat – Glaspilz=Finger weg!  
Gerade die Blende ist ein Problem bei vielen alten Objektiven. Diese sollte leicht und vollständig schliessen, wobei auch die Mechanik des Blendenrings zu beachten ist. Minimale Öltropfen auf den Blendenlamellen sind ein NoGo und auch in diesem Fall nur eine Überlegung wert, wenn es sich um ein Leica-APO oder einem ähnlich teuren Objekt der Begierde handelt.
Beschädigungen am Objektiv-Tubus können Hinweis auf einen Sturzschaden oder eine andere unsachgemäße Behandlung sein. Gerade im Bereich der Frontlinse können Dellen am/im Filtering zu Problemen mit der Zentrierung führen. Das ist selbst bei einem Probeschuß mit dem Objektiv auf der eigenen Kamera im kleinen Monitor nicht immer zu erkennen. Der Fokusring sollte ohne Beeinträchtigungen, wie z. B. kratzen am Tubus oder fühlbarem schleifen, konstant und ziemlich leicht, aber nicht locker, zu drehen sein.
Kratzer auf der Rücklinse des Objektivs sind fast immer Anzeichen dafür, dass das Glas nicht mit der notwendigen Sorgfalt, sprich ohne Objektivdeckel, gelagert wurde.

Bild rechts: Dieses ältere Nikkor AF 28-85 ist für Sensoren bis 12 MP akzeptabel, darüber hinaus aber nicht unbedingt das richtige Glas, wenn es um Präzision geht. Allerdings ist bei diesem Objektiv der Makro-Bereich schon brauchbar. Zwar noch weit von 1:1 entfernt, aber wesentlich besser als alte PK oder M42 Gläser. Für 20 € ein guter Kompromiss, wenn man als Sony E-mount User seine ersten Gehversuche im Bereich Makro unternimmt. Da dieses Objektiv als Standart-Zoom bei den analogen Nikon-Kameras dabei war, wird es oft und preiswert angeboten. Trotz AF-Fähigkeit, sollte der Makro-Bereich aber manuell benutzt werden. Es sei denn, man hat Spass daran, das Objektiv sekundenland beim raus- und reinfahren zu beobachten.

Natürlich hat man beim Flohmarktkauf keine Garantie darauf, ob man ein Schnäppchen gemacht oder eine „Flaschenboden“ erstanden hat, aber mit diesen wenigen Ratschlägen reduziert man das Risiko eines Fehlkaufs. Ich selbst habe ein 35-70mm Rikenon 3.5 für ganze 2 €  entgegen meinen eigenen Ratschlägen erstanden. Das Glas war, auf den ersten Blick,  von innen recht trüb und die MC-Beschichtung punktuell beschädigt, die mechanischen Komponenten aber in Ordnung. Da ich von Fotofreunden gehört habe, dass genau dieses Objektiv knackscharf über den gesamten Zoom-Bereich schon bei Offenblende ist, habe ich es von einer lädierten Ricoh KR-10 abgeschraubt und mit dem Gedanken auf Rettung (säubern) mitgenommen. Nach dem recht einfachen Zerlegen, habe ich alle Linsen gereinigt und siehe da: alles sauber, keine Beschädigung der Vergütung und keine Trübung der Linsen. An die A7 angeschraubt und… ich glaube „BÄM“ ist der aktuelle Ausdruck, wenn es um positive Überraschungen geht. Unglaublich scharf bei ALLEN Brennweiten. Bei exakt 35, 50 und 70mm und Blende 5.6 sogar prime-Qualität! Glück muss man halt haben.

Ein Artikel von Jürgen Olejok für photomatik.de / 2017

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